Rechnungsfreigabe mit Power Automate: Von 42 auf 4 Stunden pro Monat

Foto: Karolina Grabowska / Pexels
„Ich weiß nicht, welche Rechnungen noch offen sind."
Diesen Satz hörte ich in der ersten Woche fast täglich. Ein mittelständisches Unternehmen — etwa 80 Mitarbeiter, mehrere Standorte, klassische Branchenstruktur. Die Buchhaltung verarbeitete 340 Eingangsrechnungen pro Monat. Jede einzelne wurde manuell per E-Mail weitergeleitet, in einem geteilten Outlook-Postfach gesammelt, per Hand abgehakt.
Die Buchhalterin verbrachte jeden Monat 42 Stunden damit, Rechnungen zu sichten, an die richtigen Kostenstellen zu leiten und auf Freigaben zu warten. Freigaben dauerten im Schnitt mehrere Tage — manchmal Wochen, wenn der Verantwortliche auf Reisen war.
Die Symptome waren typisch: Rechnungen landeten im falschen Postfach oder wurden übersehen. Freigaben blockierten, weil der zuständige Mitarbeiter im Urlaub war und niemand wusste, wer vertritt. Es gab keinen Überblick, welche Rechnungen offen waren, welche freigegeben und welche überfällig. Zahlungsziele wurden gerissen — nicht weil kein Geld da war, sondern weil die interne Freigabe zu langsam lief. Skontoverluste summierten sich stillschweigend.
Das Unternehmen hatte Microsoft 365 im Einsatz. Outlook, Teams, SharePoint — alles lizenziert, alles bezahlt. Nur eben nicht für solche Prozesse genutzt.
Die Lösung: Ein vollautomatischer Freigabe-Workflow in Microsoft 365
Statt eine neue Software einzuführen, haben wir den gesamten Rechnungsfreigabe-Prozess auf der vorhandenen Microsoft-365-Infrastruktur aufgebaut: Power Automate für die Logik, SharePoint für die Ablage und Datenhaltung, Microsoft Teams für Freigabeaktionen direkt im Chat.
Das Ziel war klar: Jede Rechnung soll vom Eingang bis zur Freigabe nachverfolgbar sein — ohne E-Mail-Ping-Pong, ohne Medienbrüche, ohne manuelle Zuordnung.
Schritt 1: Rechnungseingang automatisieren
Ein Power-Automate-Flow überwacht das dedizierte Rechnungspostfach. Sobald eine neue E-Mail mit PDF-Anhang eingeht, wird der Flow ausgelöst. Die Rechnung wird automatisch in einer strukturierten SharePoint-Bibliothek abgelegt — sortiert nach Monat und Kostenstelle. Metadaten wie Absender, Datum, Betreff und Betrag werden extrahiert und als SharePoint-Spalten gespeichert.
Der entscheidende Vorteil: Die Buchhaltung muss keine E-Mails mehr weiterleiten oder Dateien manuell umbenennen. Jede Rechnung ist sofort im System — mit allen relevanten Informationen.
Abbildung: Aus dem Posteingang werden eingehende Rechnungen automatisch den Abteilungsordnern zur Freigabe zugewiesen
Schritt 2: Intelligente Freigabe-Logik mit Stellvertretung
Das Herzstück ist die Freigabe-Matrix: Eine SharePoint-Liste definiert, welche Kostenstelle von welchem Mitarbeiter freigegeben wird — inklusive Stellvertreter. Der Flow liest diese Matrix und sendet die Freigabeanfrage automatisch an den richtigen Verantwortlichen.
Ist der primäre Freigeber abwesend — erkannt über die Outlook-Abwesenheitsnotiz — leitet der Flow die Anfrage automatisch an den hinterlegten Stellvertreter weiter. Keine manuellen Weiterleitungen, keine „Hast du meine E-Mail gesehen?"-Nachrichten. Der Prozess läuft weiter, auch wenn jemand im Urlaub ist.
Die Freigabe selbst passiert direkt in Microsoft Teams: Der Freigeber erhält eine adaptive Karte in seinem Chat — mit Rechnungsvorschau, Betrag, Lieferant und Kostenstelle. Zwei Buttons: Freigeben oder Ablehnen. Kein Postfach öffnen, kein Dokument suchen — ein Klick genügt.
Abbildung: Nach dem automatischen Export nach SharePoint werden verarbeitete E-Mails automatisch ins Archiv verschoben
Abbildung: Teams Approvals im Detail — Rechnungsprüfung mit Workflow-Verlauf, Dateianhang und Freigabe-Optionen (Freigeben, Ablehnen, Weiterleiten an Abteilung)
Schritt 3: Statusverfolgung in Echtzeit
In SharePoint hat die Buchhaltung eine Live-Übersicht aller Rechnungen: Eingegangen, in Prüfung, freigegeben, abgelehnt, bezahlt. Jede Rechnung trägt einen farblich kodierten Status. Zahlungsfristen werden automatisch hervorgehoben — gelb bei nahender Frist, rot bei Überschreitung.
Das bedeutet: Kein manuelles Nachfragen mehr. Kein „Wo steckt die Rechnung von Lieferant X?" Die Buchhalterin öffnet die SharePoint-Ansicht und sieht sofort, wo es hakt.
Abbildung: Teams Approvals Übersicht — jede Rechnung mit aktuellem Status, Freigeber und Zahlungsfrist auf einen Blick
Abbildung: Statusübersicht aller Belege in SharePoint, eingebettet in Microsoft Teams — mit Abteilung, Freigabestatus, Druckstatus und DATEV-Status
Schritt 4: Lückenlose Dokumentation
Jeder Schritt im Freigabeprozess wird protokolliert: Wann wurde die Rechnung eingereicht? Wer hat wann freigegeben? Gab es eine Weiterleitung an den Stellvertreter? Diese Workflow-Historie ist jederzeit einsehbar — wichtig für Audits, für die Zusammenarbeit mit dem Steuerberater und für interne Nachvollziehbarkeit.
Abbildung: Übersicht der OneDrive-Schnittstelle zum DATEV-Belegtransfer
Schritt 5: Dashboard für die Buchhaltung
Zusätzlich zur SharePoint-Übersicht gibt es eine Power-Apps-Canvas-App als operatives Dashboard. Die Buchhalterin sieht auf einen Blick: Wie viele Rechnungen sind offen? Welche Zahlungsfristen laufen ab? Welcher Freigeber reagiert am langsamsten? Das macht Engpässe sichtbar und ermöglicht proaktives Handeln statt reaktivem Suchen.
Der Prozess im Überblick
- Rechnungseingang — E-Mail mit PDF trifft ein, Power Automate erkennt und verarbeitet automatisch
- Ablage — Rechnung wird in SharePoint gespeichert, Metadaten extrahiert
- Freigabe-Routing — Flow ermittelt den zuständigen Freigeber aus der Matrix
- Stellvertreter-Check — Bei Abwesenheit automatische Weiterleitung
- Teams-Freigabe — Adaptive Karte mit Vorschau und Ein-Klick-Entscheidung
- Statusupdate — SharePoint wird automatisch aktualisiert, Buchhaltung sieht Live-Status
- Archivierung — Freigegebene Rechnung mit vollständiger Workflow-Historie abgelegt
Die Ergebnisse
Nach 4 Wochen Laufzeit waren die Zahlen eindeutig:
Bearbeitungszeit: 42 Stunden → 4 Stunden pro Monat. Eine Reduktion um 90 Prozent. Die Buchhalterin verbringt ihre Zeit jetzt mit Ausnahmen und Sonderfällen — nicht mit Routine-Routing.
Durchschnittlich 2,3 Stunden bis zur ersten Freigabe-Aktion. Vorher: mehrere Tage. Die adaptive Karte in Teams macht Freigaben so einfach wie das Beantworten einer Chat-Nachricht.
Null verpasste Zahlungsziele seit Einführung. Die farbliche Statusanzeige und automatische Eskalation sorgen dafür, dass kritische Fristen nicht mehr untergehen.
Vollständige Transparenz. Jeder im Team kann jederzeit den Status jeder Rechnung einsehen — ohne nachzufragen, ohne E-Mails zu durchsuchen.
Keine zusätzlichen Softwarekosten. Die gesamte Lösung läuft auf der vorhandenen Microsoft-365-Lizenz. Power Automate, SharePoint, Teams — alles war bereits bezahlt.
Einen ähnlichen Ansatz haben wir auch für ein Planungsbüro mit DATEV-Anbindung umgesetzt, bei dem die Rechnungen zusätzlich als XML an die Steuerberatung übergeben werden. Und in einem Handwerksbetrieb haben wir die Freigabe komplett in Microsoft Teams verlagert — inklusive der Ablösung physischer Umlaufmappen.
Eingesetzte Technologie
- Microsoft Power Automate — E-Mail-Monitoring, Freigabe-Flow, Stellvertreter-Logik, Eskalation
- SharePoint Online — Rechnungsbibliothek mit Metadaten, Freigabe-Matrix, Statusverfolgung
- Microsoft Teams — Adaptive Cards für Freigabe-Aktionen direkt im Chat
- Power Apps — Dashboard für offene Rechnungen und Zahlungsfristen
- Outlook — Abwesenheits-Erkennung für automatische Stellvertreter-Weiterleitung
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